Warum Feng-Shui-Berater den Spiegel im Flur verbannen und was die Spiegel des Vorbesitzers über ihn verraten.
Als wir unser Haus übernommen haben, gab es ein Rätsel, das uns bei der Besichtigung direkt ins Auge stach: Im ganzen Haus hingen Spiegel. Überall. Im Flur, im Bad, im Treppenhaus, an der Garderobe, an Türen. Was, fragten wir uns, hat das über den Vorbesitzer gesagt? Wollte er sich ständig selbst begegnen? Hatte er ein besonders ausgeprägtes Bedürfnis, sich zu kontrollieren, sich zu vergewissern, dass alles sitzt?
Wir haben es nicht erfahren. Aber die Frage hat uns nicht losgelassen und sie führt mitten hinein in ein spannendes Thema des Feng Shui:
Was eigentlich macht ein Spiegel mit einem Raum und was macht er mit dir?
Übrigens: Bei uns hängen heute überall Uhren. Ich frage mich manchmal, was das über uns sagt. Vielleicht, dass die Zeit ein wichtiges Thema für uns ist. Wir sind gerne pünktlich, aber auch nicht fanatisch. Jede Wohnung erzählt etwas über ihre Bewohner, man muss nur genau hinschauen.
Stell dir die Frage einmal ganz bewusst: Warum hängst du einen Spiegel auf?
Die naheliegendste Antwort: im Eingangsbereich, um auf dem Weg nach draußen noch kurz den Sitz der Kleidung zu kontrollieren: Kaffeefleck? Haare? Knopf zu? Gut, dass der Spiegel da ist.
Dann kommt die Feng-Shui-Beraterin ins Spiel und die rät in der Regel von einem Spiegel im Eingang ab, aus einem einfachen Grund:
Ein Spiegel gegenüber der Eingangstür spiegelt die Energie, die hereinkommt, gleich wieder nach draußen zurück.
Und damit wären wir beim eigentlichen Thema.
Was spiegelt der Spiegel, wenn du gerade nicht davor stehst?
Hier kommt der entscheidende Gedanke, den ich dir mitgeben möchte. Ein Spiegel arbeitet ja nicht nur, wenn du davor stehst. Er spiegelt den ganzen Tag, ob du hinschaust oder nicht.
Also: Was siehst du, wenn du durch deine Wohnung gehst und in die Spiegel blickst, ohne selbst davor zu stehen?
- Spiegelt er das Chaos von Jacken, Schuhen und Taschen an deiner Garderobe?
- Oder spiegelt er einen reich gedeckten Tisch?
Erkennst du den Unterschied?
Letzteres wäre klassisches Feng Shui: Ein Spiegel, der Fülle und Wohlstand zeigt, vervielfältigt genau das. Ein gedeckter Tisch, ein blühendes Bild, etwas Schönes und Nährendes, der Spiegel nimmt es auf und gibt es doppelt in den Raum zurück.
Der Spiegel vor dem Jackenchaos macht im Prinzip dasselbe. Nur eben mit dem Chaos.
Ein Spiegel ist also nie neutral. Er ist ein Verstärker. Und es liegt ganz bei dir, was er verstärkt.
Warum ins Schlafzimmer kein Spiegel gehört, der den Schlafenden spiegelt
Es entsteht eine Unruhe, die den Schlaf stört. Der Spiegel zeigt alles, was sich im Raum bewegt und genau das nimmt der schlafende Körper wahr, auch wenn das Bewusstsein längst in der Traumwelt ist.
Stell dir vor, nachts fährt ein Auto vorbei und das Scheinwerferlicht streut durch dein Schlafzimmer. Ich würde wach!
Selbst wenn kein Auto vorbeifährt: Ein Spiegel, in dem sich dein Bett spiegelt, hält dich sozusagen "im Bild", wenn du eigentlich raus aus dem Bild, raus in die Ruhe solltest.
Falls du im Schlafzimmer nicht auf den Spiegel verzichten willst: Platziere ihn so, dass er das Bett nicht spiegelt oder dreh ihn nachts zur Wand. Kleine Änderung, große Wirkung.
Ein Spiegel kann vieles, wenn du ihn bewusst einsetzt
Damit keine Missverständnisse entstehen: Spiegel sind wunderbare Werkzeuge. Im Feng Shui haben sie einen vielfältigen Einsatz:
1. Für mehr Licht – besonders in dunklen Ecken und Nordzimmern ein Klassiker.
2. Optisch größere Räume vortäuschen – ein kleiner Raum wirkt plötzlich tief und weit.
3. Fehlbereiche optisch kaschieren – wenn eine Ecke im Grundriss "fehlt", kann ein Spiegel die Vollständigkeit andeuten.
4. Negative Energie zurückspielen – nach außen gerichtet, kann ein Spiegel Unangenehmes vom Haus fernhalten.
Ein Spiegel ist also weder gut noch schlecht. Er ist ein Werkzeug.
Die einzige Frage, die du dir vorher stellen musst:
1. Welchem Zweck dient er?
2. Und was genau vervielfältigt er durch sein Spiegelbild?
Mehr Licht? Gut. Mehr Raum? Gut. Mehr Fülle, mehr Schönheit, mehr Ruhe? Sehr gut. Mehr Chaos, mehr Unruhe, mehr auf dich selbst gerichtete Blicke, wo du schlafen solltest? Dann lieber woanders. Noch etwas: Vermeide Spiegelfliesen oder geteilte Spiegel, weil du dich nicht im Ganzen sehen kannst.
Der Spiegel selbst entscheidet nicht. Das machst du.